04.07.2017

Sommerempfang 2017: Mensch 2.0 kontra Arbeit 4.0

Das Thema Digitalisierung ist längst in den bayerischen Kommunen angekommen. Insofern überrascht es nicht, dass dieses Schlagwort auch beim diesjährigen Sommerempfang der Bayerischen Verwaltungsschule (BVS) am 30. Juni heiß diskutiert wurde. Das Hauptproblem: Zwischen der Wichtigkeit, die man der Digitalisierung zuspricht, und der dafür nötigen technischen Kompetenz der Kommunen, besteht nach wie vor eine große Diskrepanz. „Derzeit heißt es Mensch 2.0 kontra Arbeit 4.0. Und solange die Schulen und Weiterbildungsinstitutionen an der klassischen Wissensvermittlung festhalten, wird der Mensch weiterhin dem Fortschritt hinterher hinken“, betonte Festredner und Kompetenzforscher Prof. Dr. John Erpenbeck.

Der Sommerempfang ist das Highlight des Jahres – nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für die zahlreichen Dozenten und Partner der BVS. „Hier kommt immer eine nette, kommunale Familie zusammen. Eine glänzende Gelegenheit für viele anregende Gespräche“, so Vorstand Michael Werner. Ein Gesprächsthema schwebte dieses Mal über allen anderen: die Digitalisierung der Kommunen. „Keiner weiß so recht, wo hier die Reise hingeht. Welche Rolle spielt der Mensch in diesem Prozess? Und was kann die BVS den Azubis hierzu mit auf den Weg geben? Diese jungen Menschen haben ja schon bei den Grundkenntnissen wie Lesen, Schreiben oder Rechnen ihre Probleme. Und die sollen wir in die Digitalisierung führen? Ehrlich gesagt, melde ich da Zweifel an“, warf Werner kritisch in die Runde. 

Dr. Franz Dirnberger, Vorsitzendes Mitglied des Verwaltungsrats der BVS und Geschäftsführer des Bayerischen Gemeindetags, prognostizierte in seiner Ansprache eine extreme Veränderung der Verwaltung. Im Zuge der Digitalisierung würde sich das „gesamte Arbeitsumfeld revolutionieren“. Die Diskrepanz, die derzeit noch zwischen Digitalisierung und dem tatsächlichen Arbeitsablauf in den Kommunen herrsche, ließe zwar noch zu wünschen übrig. Aber der Verwaltungsratsvorsitzende gab sich zuversichtlich: „Wir schaffen das!“ Akuten Handlungsbedarf sieht Dirnberger hingegen bei der Gewinnung neuer nebenamtlicher Dozenten. Mit Blick auf die Entscheidungsträger meinte er: „Sehen Sie die Vorteile. Jeder BVS-Dozent nimmt aus seinen Lehrveranstaltungen positiven Input mit – neue Anregungen oder Netzwerke. Dieser Win-win-Effekt spricht deutlich für eine Freistellung Ihrer Mitarbeiter“, so Dirnbergers Appell.

Festredner Prof. Dr. John Erpenbeck legte in Sachen Digitalisierung noch mal nach: „Da rollt eine dicke Kompetenzkatastrophe auf uns zu. Wissen in die Köpfe schaufeln bringt überhaupt nichts. Wie viele hochqualifizierte inkompetente Leute kennen Sie in Ihrem Bekanntenkreis? Qualifikation ist noch lange keine Kompetenz. Die Kommunen, die berufliche Bildung und die Schulen müssen also dringend auf  Kompetenzentwicklung bauen. Wir alle müssen uns der neuen digitalen Welt stellen, ohne aus den Augen zu verlieren, dass wir stets menschengerecht handeln sollen“, so Erpenbeck. Haupttriebfeder bei der Kompetenzentwicklung sei dabei die Emotion. „Unser Gehirn ist eine komplexe Einrichtung. Es ist nicht für große Datenmengen geschaffen. Vielmehr ist es ein Organ, das zur Problemlösung dient. Es enthält einen emotional gesteuerten Filter. Diese emotionale Konditionierung wirkt sich auf alle anderen Prozesse aus.“ Soll heißen: Auch BVS-Dozenten sollten motivierend und emotional auf die Teilnehmer wirken. Ohne Gefühl für die Thematik und den beruflichen Alltag geht gar nichts. Das gilt für die Digitalisierung als auch für alle anderen Themenbereiche.

Das Rahmenprogramm des Sommerempfangs lief unter dem Motto „digital versus analog“. Mächtig viel Kraft und Zielgenauigkeit waren beim Bogenschießen gefragt, währenddessen ein Ausflug in die virtuelle Realität ein sinnlich intensives und nachhaltiges Erlebnis bot. Denn auch im Bereich Bildung bietet die virtuelle Realität innovative und maßgeschneiderte Ansätze zur Vermittlung komplexer Sachverhalte. Was dem Nutzer wiederum ein vereinfachtes und schnelleres Lernen ermöglicht. Das einzige, das beim Sommerempfang nicht mal im Ansatz etwas mit Digitalisierung zu tun hatte, war das festliche Buffet, das die Gäste wie jedes Jahr wieder mit einer Fülle exzellenter Gaumenfreuden begeisterte.

Eine Bildergalerie des Sommerempfangs finden Sie hier.

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