06.08.2018

Wie Sie trotz Sommerhitze am Arbeitsplatz „cool” bleiben.

Während uns sommerliche Temperaturen nach Feierabend am Baggersee begeistern, kann Hitze im Büro sehr belastend sein. Wir zeigen Ihnen, wie Sie trotz Sommerhitze am Arbeitsplatz „cool” bleiben.

Sonne bringt nicht nur Wonne: Denn was den Urlauber freut, ist des Angestellten Leid. Wenn vor lauter Hitze die Oberschenkel am Bürostuhl, Hemd und Bluse am Rücken kleben, die Finger nur noch so über die Tastatur rutschen und man wortwörtlich im Schweiße seines Angesichtes arbeitet, sehnt man sich innständig nach Abkühlung. Je höher die Temperaturen im Büro steigen, desto mehr sinken Motivation und Leistungsfähigkeit. Übermäßige Hitze kann zudem gesundheitliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Kreislaufstörungen, Schwindelgefühle oder gar eine Ohnmacht, also einen Hitzekollaps, auslösen. Schwangere, stillende Mütter und Mitarbeiter, die per Attest gesundheitliche Probleme nachweisen, genießen übrigens einen besonderen Schutz: Sie haben Recht auf Beschäftigung an einem anderen, kühleren Ort oder sogar auf Freistellung an besonders heißen Tagen.

Schlecht isolierte Gebäude, große Fensterflächen und fehlende oder unzureichende Lichtschutzvorrichtungen sind der Grund dafür, dass bei sommerlicher Hitze die Temperaturen in den Arbeitsräumen unangenehm werden. Die Arbeitsstättenverordnung fordert für Arbeitsräume eine „gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur“ und Schutz gegen übermäßige Sonneneinstrahlung. Die Technische Regel für Arbeitsstätten (ASR) A3.5 verlangt, dass Arbeitgeber bereits „beim Einrichten der Arbeitsstätte“ die technischen Voraussetzungen zum Wärmeschutz beachten müssen.

Die Arbeitsstättenregeln sehen zwar vor, dass die Lufttemperatur in Arbeits- und Sozialräumen 26 Grad nicht überschreiten soll. Aber Hitzefrei gibt es für Arbeitnehmer nicht, auch wenn draußen die Temperaturen über diese Marke klettern. Wird die Grenze von 26 Grad im Büro überschritten, „soll“ der Arbeitgeber Maßnahmen treffen, um die Wärmebelastung zu mindern. Ab 30 Grad „muss“ er dies tun und über 35 Grad ist ein Raum nicht mehr „als Arbeitsraum geeignet“. Bedeutet: Steigt die Raumtemperatur über 35 Grad, darf in Büros grundsätzlich nicht mehr gearbeitet werden. Das heißt aber nicht, dass Arbeitnehmer dann nach Hause gehen dürfen. Der Arbeitgeber muss lediglich dafür sorgen, dass sie nicht in den überhitzten Räumen arbeiten.

Es gibt eine Reihe von Maßnahmen, die der Arbeitgeber ab 26 Grad Raumtemperatur ergreifen kann:

Auf Durchzug schalten

An heißen Sommertagen verabschiedet sich die kühle Morgenluft spätestens ab 10 Uhr. Die Büroräume sollten also unbedingt vorher gelüftet werden. Es gilt die Faustregel: Immer dann, wenn es draußen kälter ist als drinnen, also vor allem nachts und früh am morgen, sollte man die Fenster öffnen, um kalte Luft hereinzulassen. Auch der Sonnenschutz vor den Fenstern, also Rollläden oder Jalousien, sollten bereits in den frühen Morgenstunden heruntergelassen werden. Nach dem Lüften hält man die Fenster geschlossen.

Luft verwalten

Ventilatoren verschaffen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Kühlung. Es muss ja nicht gleich ein Deckenventilator sein. Bereits ein leistungsstarker Standventilator sorgt für eine angenehme Brise. Achtung: Wird der Luftstrom auf den Kopf ausgerichtet, kann das zu Kopfschmerzen und Verspannungen führen. Besser ist es, den Ventilator auf den Oberkörper auszurichten. Mobile Klimageräte können ebenfalls für Linderung bei großer Hitze sorgen – auch wenn sie nicht so effizient arbeiten wie fest installierte Klimaanlagen.

Siesta halten

Wir kennen es von unseren Nachbarn aus Südeuropa: Sie halten mehrstündige Mittagspausen, dafür fangen sie früher mit der Arbeit an und bleiben länger im Büro. Flexible Arbeitszeiten oder Gleitzeitregelungen, falls sie möglich sind, helfen, der größten Hitze aus dem Weg zu gehen.

Bekleidungsregeln ausschalten

Ein Arbeitgeber kann bei großer Hitze seinen Mitarbeitern gestatten, die Kleiderordnung lockerer auszulegen. Also weg mit Jackett, Krawatte und Seidenstrumpfhose. Leichte, luftige Sommerkleidung aus Naturfasern wie Leinen und Baumwolle verringert den Wärmestau.

Flüssigkeit und Mineralien erhalten

Gratis-Erfrischungsgetränke wie Wasser, Saftschorlen oder ungesüßte Früchtetees sind nicht nur geeignet, die Mitarbeiter zu erfreuen – sie decken bei der Arbeit auch den Bedarf an Flüssigkeit und Mineralien, der durch vermehrtes Schwitzen entsteht. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen, mindestens 1,5 Liter zu trinken. An heißen Tagen sollten es drei Liter täglich sein. Und kein Arbeitnehmer nimmt es seinem Chef übel, wenn er Flüssigkeit in seiner besten, kühlsten Form spendiert: Eine Runde Eiscreme sorgt nicht nur für Abkühlung, sondern auch gute Stimmung im Büro.

Doch auch die Mitarbeiter selbst können durch ihr Verhalten beeinflussen, ob die Arbeit an heißen Sommertagen zur Tortur wird oder nicht. Acht coole Tipps für heiße Tage:

1. Wasserhaltiges Obst und Gemüse

Eine gute und schmackhafte Variante zu Getränken sind wasserhaltige Früchte und Gemüsesorten wie Wassermelonen, Gurken oder Tomaten. Für eiskalten Genuss können Sie Wassermelonen-Stücke vor dem Genießen für einige Zeit ins Gefrierfach legen.

2. Weniger Koffein

Sie müssen an heißen Tagen im Büro zwar nicht komplett auf Kaffee verzichten, doch Koffein-Freunde sollten sich zumindest etwas am Riemen reißen: Koffein bringt den Körper noch mehr ins Schwitzen und sollte daher bei Hitze möglichst reduziert werden.

3. Leichtes Essen

Belasten Sie den Kreislauf nicht zusätzlich mit schweren, fetthaltigen Speisen wie Grillwurst, Pommes oder Schweinebraten. Setzen Sie in der Mittagspause lieber auf leichte Nahrungsmittel wie Salat, Fisch, fettarmes Hühnchen oder leichte Gemüse-Gerichte. In den BVS-Bildungszentren Holzhausen, Lauingen und Neustadt servieren wir beispielsweise täglich Hirnschmankerl-Gerichte.

4. Ungenutzte Elektronik ausschalten

Elektrogeräte erzeugen Hitze. Stellen Sie also sicher, dass sämtliche ungenutzte Geräte komplett ausgeschaltet beziehungsweise ausgesteckt sind. Übrigens: Auch die Standby-Funktion erzeugt permanent Wärme.

5. Menthol

Menthol, bekannt aus Zahnpasta und Kaugummis, vermittelt das Gefühl von Kälte, denn das ätherische Öl heftet sich an die gleichen Rezeptoren, die auch für das Kälteempfinden zuständig sind. Kaufen Sie ein Fläschchen Menthol in der Apotheke, reiben Sie das Öl alle paar Stunden auf Schläfe, Kniekehlen und Handgelenke.

6. Aromatherapie mit Minze und Zitronenmelisse

Ein Hausmittel bei Sommerhitze ist: Geben Sie einige Minzblätter oder etwas Zitronenmelisse – fein zerrieben – in eine Schale mit Wasser und stellen Sie diese auf den Schreibtisch. Durch die Hitze verdunstet das Wasser und verströmt so einen angenehmen Duft, der für eine frische Atmosphäre sorgt und hitzebedingten Atembeschwerden entgegenwirken kann.

7. Unterarme abspülen

Da es in Büros oftmals keine Dusche gibt, hier ein kleiner Trick, der ähnlich erfrischend wirkt: Spülen Sie die Unterarme rund fünf Minuten lang mit kaltem Wasser ab.

8. Kühles Nass

Dieser Tipp eignet sich nur für Mitarbeiter ohne Kundenkontakt oder Parteienverkehr: Sie brauchen eine mittelgroße Schüssel oder einen Plastikbehälter und ein Handtuch. Füllen Sie den Behälter mit kaltem Wasser und stellen ihn auf das Handtuch unter ihren Schreibtisch. Tauchen Sie Ihre Füße darin ein. Wem das vom Arbeitgeber nicht erlaubt ist: Gefrorene Coolpacks von Zuhause mitbringen, in ein Tuch wickeln und auf oder unter die Füße legen. Auch kalte Fuß- oder Handgelenkswickel aus dünnen Tüchern sorgen bei Sommerhitze im Büro für Abkühlung.

All diese Anregungen helfen Ihnen, trotz Hitze einen kühlen Fuß respektive kühlen Kopf bei der Arbeit zu bewahren. Welche Mittel und Tricks Ihnen am besten tun, müssen sie selbst herausfinden. Und irgendwann geht auch mal der heißeste Sommer vorbei.

Übrigens: Die Hitze hat auch ihre guten Seiten. Zwei Forscher von der Universität Utrecht haben herausgefunden, dass die Raumtemperatur Einfluss darauf nimmt, wie Menschen miteinander sprechen und welche Beziehungen sie knüpfen. Das Ergebnis: Je höher die Temperaturen steigen, desto näher kommen wir uns und desto besser verstehen wir den anderen. Wer hätte das gedacht: Die Wärme trägt doch gar zur Verbesserung des Arbeitsklimas bei.

Weitere Informationen sowie Tipps fasst das Faltblatt „Sommerhitze im Büro – Hinweise und Tipps für die heißen Tage“ von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zusammen.

     

Zurück zur Übersicht